Wie entsteht Klang? Welchen Klang hat ein bestimmter Raum? Fragen wie diese stehen im Fokus von Heiko Wommelsdorfs Arbeiten. Seine Klanginstallationen sind visuell äußerst reduziert. Er verwendet wenige, ausgewählte Materialien, hauptsächlich Alltagsgegenstände. Diese unterstützen die akustische Ebene, lenken aber nicht ab, und schaffen Sinnzusammenhänge.

Wommelsdorf arbeitet raumbezogen. So weist er den charakteristischen Klang des Raums durch das Auffangen von Tropfen nach. Plastikeimer sammeln Regentropfen ein, die sich einen Weg durch das Dach der Gleishalle suchen und auf dem Boden fallen.

Klang und Objekt spielen bei seinen Installationen ebenso eine Rolle wie die Raum- und Lichtsituation. Das Ergebnis sind sowohl akustisch als auch optisch reizvolle Klang-Raum-Skulpturen.

Für seine Kompositionen greift Wommelsdorf auf das Prinzip des „Phasings“ aus der Minimal Music zurück, die der amerikanische Komponist Steve Reich in den 1970er Jahren entwickelte. Beim „Phasing“ spielen zwei Instrumente die gleiche Stimme, doch nur eines hält sein Tempo, das andere beginnt allmählich sein Abspieltempo leicht zu beschleunigen. Erst geraten die Stimmen so „aus der Phase“ und nach und nach gleichen sie sich wieder an. So ergeben sich stetig verändernde Höreindrücke.


Katharina Groth (Kuratorin)
In: „Kunstfrühling 2014 – „Notausgang am Horizon“, BBK Bremen, Girzig+Gottschalk, Bremen
2014