Die Schritte eines Menschen sind unverwechselbar. Wer die Schritte der oder des Geliebten im Treppenhaus hört, wird sie oder ihn erkennen, ohne die Person gesehen zu haben. Schritte machen uns also besonders aufmerksam. Doch in Heiko Wommelsdorfs Installation kommt niemand, obwohl wir Schritte auf einer Brücke hören. Stattdessen hören und sehen wir uns selbst. Der Künstler arbeitet mit der Koppelung menschlicher Gefühle an einen Klang, mit dem Geräusch der Materialien, auf denen wir gehen und mit der Verunsicherung des Hörers und Betrachters im Angesicht der Person, die er zwar hört, aber nicht sieht. Das Klangmaterial liefert der Untergrund, auf dem wir gehen. Wommelsdorf untersucht seine Werkstoffe und rückt mit Hilfe von Mikrophonen und Lautsprechern jene Materialgeräusche ins Bewusstsein, die zur Schrittfolge des Menschen unmittelbar hinzugehören.


Dr. Axel Feuß (Kurator)
In: „Video-Romanzen. Wo liegt Arcadien?“ Muthesius Kunsthochschule
2008